"Ein Verlag muss Mehrwert bieten"

Für ihr Sujet Weihnachtsgans bekam die AUA Ende April einen Magazin Award in Gold. Worauf sie im CP setzt, sagen Peter Baumgartner, Bereichsleiter Customer Services & Product Management, und Barbara Greul, Director Corporate Publishing & Events im Interview mit dem director.

director: Ihr Magazinflaggschiff Skylines hat derzeit einen TKP von zwölf Euro, liegt damit nicht weit unter Publikumsmedien wie News. Wie sieht es aktuell mit den Inseraten aus?
Greul: Gut. Eine Zeit lang haben Kunden Werbemaßnahmen abseits der klassischen Kanäle bevorzugt, jetzt kommen sie wieder zu Skylines zurück. Wir haben eine sehr interessante Zielgruppe, für investierende Konzerne und Banken ist das ein Fixauftrag. Auch jetzt.

Die März/April-Ausgabe von Skylines war UV-lackiert, die Mai/Juni-Nummer nicht. Aus Kostengründen?
Greul: Nein, dahinter steckt keine Absicht. Die UV-Lackierung war ein Versehen der Druckerei.

Im Unternehmen ist Sparen ein Dauerthema, im Corporate Publishing nicht?
Baumgartner: Wir sparen in der AUA an allen Ecken und Enden, aber nicht beim Bordmagazin. Skylines hat zwei Ziele: Den Leser unterhalten und Anzeigen verkaufen.
Greul: Das Magazin kostet uns in der Produktion nichts. Es bringt uns sogar etwas, mit den Marketingkooperationen.

Skylines erscheint sechsmal im Jahr. Genau die richtige Frequenz für Ihre Zielgruppe?

Baumgartner: Andere Boardmagazine erscheinen quartalsweise. Das scheint uns nicht der richtige Weg zu sein. Eine Neuigkeit ist dann schnell ein alter Hut. Aber auch in die andere Richtung sind uns Grenzen gesetzt. Unser Wettbewerbsumfeld ist groß, da gehört auch ein Magazin wie die Kurier Freizeit dazu. Unser Anspruch ist es, etwas Hochwertiges zu machen, mit renommierten Autoren und Fotografen.

Skylines erscheint zweisprachig, deutsch und englisch. Entstehen die Texte zuerst auf Deutsch und werden sie dann übersetzt?
Greul: Meistens. Umgekehrt wäre es z. B. bei einer Kooperation mit Egypt Airlines. Dann würden wir vom englischen Text ausgehen.

Bereitet die Zweisprachigkeit auch Schwierigkeiten?
Greul: Wir haben eine Rubrik, Doris Knechts Österreich für Anfänger. Da kommen oft Dinge vor, das kann man fast nicht übersetzen. Und dann beeinflusst die Zweisprachigkeit natürlich das Layout. Oft bleiben für eine Geschichte 2500 Anschläge, das muss man dann den Kooperationspartnern erklären.

Wird Skylines einmal in weitere - etwa osteuropäische - Sprachen übersetzt werden?

Baumgartner: Nein, das ist kein Thema für uns. Englisch genügt.

Nun haben Sie neben Skylines noch einige weitere Corporate-Publishing-Produkte. Etwa die JetFriends für die Kunden von morgen und Succeed für den osteuropäischen Wirtchaftsraum...
Baumgartner: Succed haben wir uns zu machen entschlossen, weil wir die Nummer eins in Osteuropa sind und ein Gefühl für diesen Wirtschaftsraum haben. Wir sind hier nur Trägerunternehmen. Succed wird ja auch am Kiosk verkauft.
Greul: Anders als bei Skylines geben wir die Themen in der Regel nicht vor und auch nicht frei. Succed entsteht redaktionell weitgehend unabhängig. Der Verlag ist natürlich sensibilisiert und weiß zum Beispiel, wenn wir jemanden nicht am Cover haben wollen.

Sie vertreiben Ihre Magazine vor allem an Bord. Wenn ich Skylines in die Hand bekomme, bin ich also bereits Kunde. Neue Zielgruppen kann ich auf diesem Weg nicht gewinnen.
Baumgartner: Ein Bordmagazin ist kein Instrument zur Neukundengewinnung. Es bietet die Chance, die Marke zu pflegen und abzurunden.

Aber mit der Kundenbindung hat die AUA auch ihre Probleme. In den ersten vier Monaten des Jahres sind um 14,8 Prozent weniger Passagiere mit der AUA geflogen als im Vorjahr...
Baumgartner: Es wird generell weniger geflogen. Was große Unternehmen zuerst streichen, das sind die Anzeigen und die Dienstreisen. Wir befinden uns somit in einer Art Schnittmenge zweier Branchen: Corporate Publishing und Airlines.

Wie, glauben Sie, werden Bordmagazine in einigen Jahren aussehen?
Baumgartner: Unsere Branche wird noch kostengetriebener werden. Ich kann mir vorstellen, dass man dann einen Reader hat, auf dem diverse Inhalte über WLAN abrufbar sind, Tageszeitungen, das Bordmagazin. In drei, vier Jahren wird das ein großes Thema sein. Und was auf den Markt kommt, gibt es fünf, sechs Jahre später auchBarbara_Baumgartner_Greul.jpg im Flieger.

Herr Baumgartner, Sie haben in den 90ern die Unternehmenskommunikation bei Siemens verantwortet. Dort ist sehr vieles intern geschehen. Die AUA arbeitet im CP mit der Styria zusammen. Was ist anders, wenn man einen Verlag an Bord hat?
Baumgartner: In der Herangehensweise nicht viel. Es hängt immer vom Mehrwert ab, den mir ein Verlag bringt. Unser Verlag bei Siemens damals hat einen freien Chefredakteur und einen freien Grafiker beschäftigt, den Druck haben wir selber ausgeschrieben. Dann war es eine kaufmännische Entscheidung, es gleich selbst zu machen und damit Kosten zu sparen. Gut ist, wenn ein Verlag alles aus einer Hand bietet. Ganz wichtig ist die Anzeigenakquisition.

Wird sich durch den neuen Eigentümer etwas am Corporate Publishing in der AUA ändern?

Greul: Nein, das glaube ich nicht. Allenfalls würde bei einer Neuausschreibung vermutlich der Verlag der Lufthansa dabei sein, aus Kostengründen.
Baumgartner: Ein House of Brands funktioniert nur, wenn jede Marke ihre Identität behält. Wir werden auch in Zukunft Servus sagen und nicht Tschüss. Genauso wird es Skylines als Bordmagazin weiter geben. Und bei einer Neuausschreibung hätte der Lufthansa-Verlag auch keinen Vorteil.

Interview: Barbara Morawetz
Fotos: Mathias Greylinger


Alle Daten zu Skylines gibt es hier.

Veröffentlicht am: 02.07.2009, 11:31 Uhr

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