"Ehrlich ist es mir am liebsten"

Petra Jakob, Head of Corporate Communications bei Orange Austria, verantwortet das Mitarbeitermagazin fresh.

director: Das im vergangenen Herbst gelaunchte fresh trägt den Untertitel „Das Magazin der Orange Mitarbeiter". Diese lesen es also nicht nur, sondern gestalten es auch. Können Laien denn das?
Jakob: Der Feinschliff kommt natürlich von uns. Aber es gibt ein zehn- bis 15-köpfiges Redaktionsteam, in dem sitzen Vertreter aus den Shops, aus der Technik, dem Kundenservice, der Finanzabteilung und wir vom Bereich Corporate Communications. Die Mitarbeiter liefern Beiträge, zum Beispiel eigene Reiseberichte, und mal müssen wir mehr, mal weniger redigieren.

Inwiefern wirkt sich dieses enge Zusammenspiel aufs Produkt aus?
Ich denke, das Ergebnis ist, dass das Magazin am Boden bleibt. Es transportiert den Spirit der Orange-Mitarbeiter.

Das hat aber auch das alte One-Life getan?
Ja, neu ist bei fresh das offene Konzept. Wir haben weniger Rubriken und sind grundsätzlich freier. Wenn die Titelgeschichte eine Seite mehr braucht, ist das auch kein Problem. Das ganze Magazin ist großzügiger gestaltet.

In wirtschaftlich kritischen Zeiten laufen Unternehmen Gefahr, gerade bei der Mitarbeiterkommunikation zu sparen. Für Sie auch ein Thema?
Nein, das ist bei uns kein Thema. fresh erscheint dreimal im Jahr, das ist nicht sehr viel. Aber die Dinge, die wir machen, machen wir ordentlich. Deshalb schicken wir fresh auch jedem Mitarbeiter persönlich nachhause und legen es nicht irgendwo auf oder verteilen es nur. Eine Mitarbeiterzeitung hat einen wichtigen Multiplikatoreffekt, die liegt auf dem Wohnzimmertisch, die ganze Familie sieht sie. Das leisten wir uns. Gerade in diesen Zeiten ist die Motivation der Mitarbeiter besonders wichtig.


Ein Mitarbeitermagazin hat einen Multiplikatoreffekt, meint Petra Jakob; Foto: Albatros Media

Der Public Relations Verband Austria (PRVA) hat Orange und die Kommunikationsagentur bettertogether mit dem BEST PRactice Award ausgezeichnet, und zwar für das "perfekte Zusammenspiel aller
Kommunikationsdisziplinen" zum Markenwechsel One-Orange. Wie lief bzw. läuft dieses Zusammenspiel bei Ihnen ab?

Integrierte Kommunikation ist vielfach ein Schlagwort. Aber bei uns ist es tatsächlich so, dass wir uns ständig abstimmen. Die Kommunikationsabteilung, die Werbeabteilung, die Agenturen. Wir reden miteinander.

Sie haben eine Mitarbeiter-, aber keine Kundenzeitung. Warum?
Das hat mit unserer Branche zu tun. Wir sind im Endkundengeschäft tätig und haben zwei Millionen Kunden in Österreich. Dieser Markt ist einerseits so dynamisch und andererseits viel zu inhomogen für eine gemeinsame Zeitung. Das zeigen auch die Erfahrungen, nicht nur unsere, ebenso die anderer Marktteilnehmer.

Ein Erfolgsfaktor von Corporate Publishing ist Glaubwürdigkeit. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Mitarbeiterzeitung nicht zur Bühne des Managements verkommt?
Indem wir Mitarbeiter vorkommen lassen. Für unseren Geschäftsführer Michael Krammer gibt es das Editorial, da werden alle wichtigen Themen abgehandelt. Aber dann sieht man nur mehr Mitarbeiter. fresh dient nicht der Selbstdarstellung des Managements und ich bin froh, dass mein Chef das auch so sieht. Dafür gibt es andere Plattformen, zum Beispiel das quartalsmäßige Mitarbeitermeeting. Wenn unser Geschäftsführer Input für eine Geschichte in fresh hat, muss die nicht zwingend hinein. Wir arbeiten hier eigenverantwortlich, fast autonom.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Verleger von fresh, dem Buero 16 ab?
Wir erkennen wechselseitig unsere Kompetenzen an. Die Agentur ist unser Partner, sie macht Vorschläge, die wir annehmen oder auch nicht. Aber genauso kommt es vor, dass wir einen Vorschlag haben, den die Agentur nicht für gut befindet. Wir haben Grafik und Layout ausgelagert, eben weil wir es im Haus nicht machen können.

Große Unternehmen müssen auch für Krisenkommunikation gerüstet sein. Was sagen Sie den Mitarbeitern, wenn Sie Ihnen eigentlich nichts sagen können?
Genau das, ich sage, dass ich nichts sagen kann. Aber nicht in fresh. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Bei One kursierten zuletzt immer wieder Verkaufsgerüchte, oft mit wahrem Hintergrund, das heißt, es gab tatsächlich ein Angebot, bis ja letztlich dann wirklich verkauft wurde. Das war natürlich Thema in der Presse. Unser CEO hat sich dem aber gestellt und den Mitarbeitern gesagt, ‚ich weiß, Ihr lest jetzt dies und das, ich kann Euch dazu derzeit nichts sagen'. Je offener und ehrlicher, desto lieber ist es mir. Aber wenn es dann etwas zu sagen gibt, dann sind wir schnell. Dazu haben wir eine große Halle, wo wir die Mitarbeiter zusammentrommeln können. Das ist auch die persönlichste Variante, wenn man den Geschäftsführer direkt sieht.

Abgesehen von fresh und den regelmäßigen Treffen: Wie kommunizieren Sie sonst noch mit den Mitarbeitern?
fresh ist unsere on-top-Maßnahme. Dann haben wir E-Mail-Formate, eine Dialog-Box und unser Intranet, das wir übrigens gerade neu aufstellen. Das ist sich zum Markenwechsel selbst nicht mehr ausgegangen.

Stichwort Cross-Medialität: Welche Inhalte bringen Sie im Printprodukt, welche online?
Das Intranet muss aktuell sein, da kündigen wir neue Kampagnen an oder Veranstaltungen wie den Wiener Töchtertag, bei dem wir vertreten sind. Der Nachbericht zum Töchtertag, die Reportage, das ist dann etwas fürs nächste fresh. Das Magazin bringt Informationen, aber genauso Unterhaltung, Geschichten, die auch einmal witzig aufbereitet sein können.

Die Online-Kommunikation wird fresh also nicht ersetzen?
Nein, es ist ganz wichtig, dass die Zeitung bleibt. Ich glaube, es würde ein Raunen durchs Unternehmen gehen, wenn wir das Mitarbeitermagazin nicht mehr hätten. Man hält etwas in der Hand und auch der Vorarlberger, der einmal im Jahr nach Wien kommt, verliert die Bindung zum Haus nicht. Das Mitarbeitermagazin ist ein Zeichen der Wertschätzung.

Interview: Barbara Morawetz

Alle Daten zu fresh gibt es hier.

Veröffentlicht am: 04.05.2009, 10:45 Uhr

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